Klaus Bechtold
27. September 1939/
5. Februar 2010

Wir gedenken unseres Freundes Klaus Bechtold, der am 5. Februar plötzlich und völlig unerwartet aus dem Leben gerissen wurde. Alle, die sich an sein frohes und dem Leben zugewandtes Wesen erinnern, waren schockiert. Noch heute ist es unfassbar. Am 18. Januar hatte er das letzte Mal an einem Meeting teilgenommen, als es in dem dort gehaltenen Vortrag um die Chancen der Kernfusion ging, einem für die Energiewirtschaft zukunftsweisenden Thema. Entsprechend seiner Berufsqualifikation „Energiewirtschaft“ nahm er an der Diskussion zu diesem Vortrag teil, wie er sich auch in den 16 Jahren seiner Mitgliedschaft immer wieder mit Vorträgen zu Wort gemeldet hat, um zu den Problemen seines Fachgebiets Stellung zu beziehen, besonders dann, als es in der Energiepolitik dieser Stadt zu immer stärkeren Verwerfungen kam.Klaus Bechtold wurde 1939 in München geboren, seine Kindheit und Jugend verlebte er im Südwesten Deutschlands. In Lörrach legte er sein Abitur ab, wo sein Vater Landrat war. Es schloß sich das Studium des Maschinenbaues an der Technischen Hochschule Karlsruhe an mit dem Diplomexamen 1965. An der Technischen Universität Clausthal wurde er zum Dr.- Ingenieur promoviert. Sein Berufsleben begann er an einem energiewirtschaftlichen Forschungsinstitut bei Prof. Schaefer in Karlsruhe. Der Schritt in die Praxis führte ihn dann zum Kommunalen Elektrizitätswerk Mark in Hagen/ Westfalen, einem kleineren aber renommierten Unternehmen. Anfangs war er dort Assistent des Technischen Vorstands, später Leiter der Abteilung Energiebeschaffung. Ein Wechsel zu den Technischen Werken der Stadt Stuttgart von 1978 bis 1986 schloß sich an.In dieser Zeit lernten wir uns in Leitungsgremien unseres Fachverbandes kennen, und ich erlebte dort seine besonderen Fähigkeiten: hohe Sachkenntnis gepaart mit einem verbindlichen Wesen sowie sein Geschick, kontroverse Debatten zu einem konstruktiven und verbindenden Ergebnis zu führen. 1987 kehrte er zu seinem Unternehmen Elektromark als Technischer Vorstand zurück, von wo ich ihn 1994 für die Bewag als meinen Nachfolger gewinnen konnte. Die Wiedervereinigung der beiden Berliner Unternehmen in West und Ost stellte hohe Anforderungen und erforderte Einfühlungsvermögen in die unterschiedlichen Unternehmenskulturen. Sein Führungsstil kam ihm entgegen, der geprägt war von Kollegialität und Ausgleich der Interessen; die Debatte und die Überzeugung waren ihm wichtig.Schon seit 1987 Rotarier in Hagen war es leicht, ihn für unseren Club zu gewinnen, so daß er bald nach seinem Wechsel nach Berlin im gleichen Jahr 1994 bei uns eintrat. In seiner offenen, gewinnenden und unkomplizierten Art fand er bei uns, wie sich die älteren Freunde gewiß erinnern, schnellen Zugang. Er war bereit, sich zu engagieren und Ämter zu übernehmen, Vorträge zu halten. Über die Bewag und die hin und her wogenden Turbulenzen gab es stets Interessantes zu berichten. Den Verlust der Unabhängigkeit des Unternehmens hat er im aktiven Dienst nicht mehr miterleben müssen. Er schied im Jahr 2000 aus. Im Jahr 2005/ 06 war er dann Präsident unseres Clubs. Ganz im Sinne des Mottos des damaligen Präsidenten von Rotary International „Service above Self“, das Bechtold mit „uneigennützigem Dienen“ übersetzte, stellte er sein Präsidentenamt unter dieses Motto, wörtlich „ich gelobe Bescheidenheit“ und „ich freue mich auf die Begegnungen mit Ihnen“. Als sein Ziel nannte er, „einander mit Freude zu begegnen und Erfolge gemeinsam zu genießen“. Es war ein Jahr voller Offenheit und vielseitiger Anregung. Im Besonderen ist das Dreiertreffen in Sorrent am Golf von Neapel zu nennen, bei dem wir mit hoher Präsenz teilnahmen und die Spanier aus Murcia als vierten Club gewannen. Zum Abschluß seiner Präsidentschaft bekannte er: „ich war gerne Präsident und freue mich, nun schlicht Freund unter Freunden bleiben zu dürfen“.Der frühe Tod hat ihm diesen Wunsch nicht mehr lange erfüllt. Mir ganz besonders, aber auch allen Freunden wird er in der Erinnerung lebendig bleiben. Er wird uns fehlen!Leonhard Müller, 15.Februar 2010
(AP)

Eintrittsjahr: 1994

Am 4. Mai 2009 ist unser Freund Peter Cohnen gestorben. In wenigen Tagen, am 23. Mai, wäre er achtzig Jahre alt geworden.

Peter Cohnen war Rotarier aus tief-innerer Überzeugung. Seine Aufnahme in den Club im Jahre 1976 hat er, wie er selbst bekundete, als „freudiges und zugleich ehrenvolles Ereignis“ erlebt. Ämter hat er in dem Bewusstsein angenommen, „dass aus den Freuden an der Mitgliedschaft auch Pflichten für das Mitglied zur Übernahme eines Amtes erwachsen.“ Hier wird ein Wesenszug sichtbar, der Peter Cohnens Persönlichkeit kennzeichnete: Pflichtgefühl und Ver­antwortungsbewusstsein, doch kein Streben nach Dominanz und Profilierung. In dieser Haltung hat er dem Club gedient – zunächst für den Jugenddienst zuständig, dann als Präsident 1989/90. Als Altpräsident hat er im Aufnahmeausschuss an der Regeneration unseres Clubs prägend mitgewirkt.

Das waren die für alle sichtbaren Leistungen. Daneben förderte er das Clubleben durch Beiträge, von denen er kein Aufhebens machte, obwohl sie wichtig waren. Insbesondere hat er die Sekretariatsarbeiten vielfältig und tatkräftig unterstützt. Peter Cohnen hat jedoch für den Club weitaus mehr geleistet, als nur zu dessen Funktionsfähigkeit beizu­tragen. Wenn man den Begriff »Autorität« als den Einfluss definiert, den ein Mensch kraft seiner Persönlichkeit hat, so gilt das für ihn – er war eine Autorität. Wir haben ihn als einen Mann erlebt, der seinen Standpunkt bedächtig und ernst, nüchtern und unpathetisch, klar und entschieden, dabei jedoch immer verbindlich vertreten hat. Er mochte gelegentlich verschlossen wirken, doch im freundschaftlichen Umgang wurden sein Humor und seine Herzlichkeit spürbar. Peter Cohnen hat unsere Gemeinschaft so unterschiedlicher Charaktere mit all dem wohltuend und konstruktiv geprägt.

Wir haben einen guten Freund verloren und werden uns seiner immer dankbar erinnern.

Manfred Rosenbach
RC Berlin-Süd

Eintrittsjahr: 1976

Am 20.07.2008 ist unser Altpräsident und PHF Horst Elfe im 92. Lebensjahr nach langer Alterskrankheit gestorben. 1961, im Jahr des Mauerbaus, wurde er Mitglied unseres Clubs und schon 1967 war er unser Präsident.

In Allenstein geboren diente er im 2. Weltkrieg als Kommandant eines U-Bootes, das in der Atlantik-Schlacht versenkt wurde. Horst Elfe wurde gerettet und kam nach Kanada in Gefangenschaft. Als der Krieg schon unmenschlichste und grausamste Formen angenommen hatte, sah er im anderen Kombattanten stets den Gegner, der ein Mensch blieb und auch so behandelt wurde. Nach dem Krieg arbeitete Horst Elfe mit großem Erfolg in der deutschen Wirtschaft, zuletzt als Vorstand der Deutschen Eisenhandel AG.

Sein Eintreten für die Wiedergewinnung und Bewahrung von Frieden und Freundschaft unter den Menschen und Völkern ist national wie international anerkannt und gewürdigt worden. So war er acht Jahre lang Präsident der Industrie- und Handelskammer zu Berlin und erhielt Ehrensenatorwürde der Technischen Universität Berlin. Das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern und höchste Auszeichnungen der Alliierten Schutzmächte, die ihn in hohem Maß geschätzt haben, zeichnete seine Arbeit für Berlin aus. Als Deutscher, der die Europäische Gemeinschaft verkörperte, bleibt er in unserer Erinnerung. Unser Club hat eine große Persönlichkeit verloren.

Rotary Club Berlin-Süd

Eintrittsjahr: 1961

Pastgovernor Dieter Thomas sprach diesen Nachruf auf dem Meeting vom 23. März 1998.

Herr Präsident, liebe Freunde.

Ich bitte Sie, sich von den Plätzen zu erheben. Am Dienstag vergangener Woche ist unser Freund Friedrich Georgi im Martin-Luther-Krankenhaus gestorben. Mehr als zwei Jahre nervender Krankheit lagen hinter ihm, der Alltag war ihm beschwerlich geworden, mit körperlicher Last bedrückt. Er hinterläßt seine beiden Kinder und die Enkel. Unser Gedenken geht in dieser Stunde auch zu Frau Weidner, die ihm so viele Lasten zu tragen geholfen hat.

Er gehörte zu den Mitgliedern der Gründergeneration des Rotary Clubs Berlin-Süd. Er war unser fünfter Präsident, seine Vorgänger u.a. Fritz von Bergmann und Joachim Hofmann, seine Nachfolger Fritz Kurth und Lukas Felix Müller. Viermal hat er das Amt des Programmdirektors übernommen, ein Hinweis auf das Interesse, das er dem geistigen Standard unserer Gemeinschaft entgegenbrachte. Er war der Pate von Horst Riedel, Bodo Neubert, Dieter Krause und von mir. Zugleich in ihrem Namen spreche ich hier diese Gedenkworte.
Der Verlauf seines Lebens kann, wie bei so vielen Deutschen, in zwei Abschnitte geteilt werden, nämlich vor und nach 1945. Seine militärische Laufbahn – er war Major der Luftwaffe – ist nicht zu trennen von der familiären Bindung, seiner Heirat mit Rosemarie Olbricht und der engen Verbindung zu seinem Schwiegervater, Friedrich Olbricht, der als einer der ersten am 20. Juli 1944 als General in der Bendlerstraße vor den Gewehrläufen des Exekutionskommandos starb.
Die Bindung an den deutschen Widerstand gegen Hitler hat Friedrich Georgi auf das Stärkste beeinflußt, und er, der die Rache der Nationalsozialisten überlebte, hat nach 1945 Zeugnis für diesen Widerstand abgelegt.
Und weiter nach 1945: Der Wiederaufbau des Parey-Verlages, sein Lebenswerk. Glanzvoll sein Jahr als Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Glanzvoll seine Ehrenpromotionen in Zürich und Wien. Beeindruckend sein unternehmerischer Erfolg durch viele Jahre hindurch. Das öffentliche Leben hat ihn mit Respekt und Achtung begleitet. Menschen mit guten und bekannten Namen gehörten zu seinem Lebenskreis. Wer seine Geburtstage im Garten der Griegstraße miterlebte, weiß, wovon und von wem ich spreche.
Das Schicksal hat es ihm in den späteren Lebensabschnitten nicht leicht gemacht. Im Hause die lange schwere Krankheit seiner Frau und ihr Tod, die Altersgebrechen seiner Schwiegermutter. Im Beruf die wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Verlages, das Bröckeln seines Lebenswerkes.
Achtunddreißig Jahre ist er Mitglied des RC Berlin-Süd gewesen. Der Club wurde für ihn zu einem Stück Heimat. Sein Nachbar, Dieter Krause, der ihn so oft im Wagen hierher brachte, hat berichtet, wie groß sein Wille war, bis in seine letzten Tage am Clubleben teilzunehmen. Er hat uns großartige Vorträge hinterlassen, die meist politische Fragen, oft immer wieder den deutschen Widerstand gegen Hitler, zum Thema hatten.

Er war allen, die an ihn herantraten, ein guter Freund. Und so werden wir ihn alle in dankbarer Erinnerung behalten.

Eintrittsjahr: 1960

Hans-Erhardt von Knobloch wurde am 3. März 1921 in Tilsit geboren und ist am 3. Juli 2009 in Berlin gestorben. 1970 wurde er von Freund Kurt von Prinz-Buchau in den Rotary Club Berlin-Süd eingeführt und gehörte ihm somit fast vierzig Jahre an. Dem Club hat er 1974/75 im Internationalen Dienst sowie 1979/80 als Präsident gedient und ihn in seiner zwar distanzierten, aber äußerst liebenswürdigen Art hervorragend geführt. So ist er den älteren Freunden als ein Herr im besten Sinne des Wortes – ohne autoritäre Attitüden, aber von vornehmer Gesinnung – in Erinnerung, viele jüngere werden kaum eine Vorstellung von ihm haben, weil er in den letzten Jahren altersbedingt nur noch selten an den Meetings teilgenommen hat. Darum ist es wichtig, dass wir uns seine Persönlichkeit noch einmal vergegenwärtigen, denn seine Lebensleistung macht deutlich: einen Mann wie ihn zum Mitglied und Freund zu haben war für den Club eine Ehre.

Hans-Erhardt von Knobloch gehörte jener Altersgruppe von Männern an, die den Zweiten Weltkrieg erlebt, durchlitten und, anders als unzählige Altersgenossen, überlebt haben. Er muss das als eine Verpflichtung empfunden haben, denn sowohl der Abschluss seines vom Kriege unterbrochenen Studiums der Elektrotechnik als auch seine Arbeit im Beruf waren von starkem Willen zu Leistung und bewunderungswürdig steter Aktivität geprägt. Zunächst als wissenschaftlicher Assistent tätig, ging er zur AEG. Dort widmete er sich insbesondere dem schienengebundenen Verkehr und wurde, zuletzt als Generalbevollmächtigter des Konzerns, zum weithin anerkannten „Bahnchef“. Gradlinig und aufrecht, wie er war, nahm er Ende 1976 seinen Abschied. Doch eine neue Aufgabe wartete auf ihn. Von den Berliner Verkehrsbetrieben, der BVG, ließ er sich als Geschäftsführer für den technischen Bereich gewinnen. Als die BVG den S-Bahnbetrieb im alten Westberlin pachtweise von der Reichsbahn übernahm, erhielt der leidenschaftliche Bahnfachmann eine einzigartige gestalterische Chance. Die S-Bahn war technisch veraltet und heruntergewirtschaftet. Von den Berlinern war sie erst politisch boykottiert und dann ganz einfach ignoriert worden. Sie schien dank neuer U-Bahnlinien überflüssig, und es hätte nicht viel gefehlt, so wäre ihr Betrieb eingestellt worden. Die Verfasser dieser Zeilen erinnern sich eines Vortrages, den Hans-Erhardt von Knobloch damals zur Funktion der Berliner S-Bahn gehalten hat. Der nüchterne Techniker beschwor die Vision eines wiedervereinten Berlin und begründete die Notwendigkeit, für diesen Tag gerüstet zu sein. Unter seiner Ägide wurde eine neue Baureihe mit innovativer Technik in Auftrag gegeben, wurden aufgelassene Strecken wieder in Betrieb genommen. Die Wiedereröffnung der Wannsee-Bahn im Jahre 1985 war ein Höhepunkt im Berufsleben unseres verstorbenen Freundes. Die Berliner entdeckten ihre alt-neue Liebe zu S-Bahn, und als der 9. November 1989 gekommen war, konnte auch bahntechnisch zusammenwachsen, was zusammengehörte.

1986 begann für Hans-Erhardt von Knobloch ein Ruhestand, der ihm ein ganz anderes Tätigkeitsfeld eröffnete. Der gebürtige Ostpreuße, aus dem Memelland stammend und auf Gut Riedelsberg in Wischwill (heute Litauen) aufgewachsen, widmete sich hingebungsvoll der Geschichte seiner alten Heimat. Neun Bände einer Chronik des Dorfes Wischwill hat er herausgegeben, an der Einrichtung eines Heimatmuseums hat er mitgewirkt, als Rotarier, der die Ziele Rotarys überzeugt und überzeugend lebt, hat er in seiner alten Heimat Verständigung unter den Völkern und Hilfsbereitschaft im täglichen Leben tatkräftig-tätig verwirklicht. Bewegend war es, zu hören, dass in der Kirche von Wischwill zur gleichen Zeit wie die Trauerfeier in Berlin ein Gedenkgottesdienst für unseren Freund gehalten wurde. Der Rotary Club Berlin-Süd wird Hans-Erhardt von Knobloch in ihn ehrender Erinnerung behalten.

Horst Bräutigam/Manfred Rosenbach

----------------------

Hier ein zweiter Nachruf von Frd. Müller

Hans- Erhardt von Knobloch (1921- 2009) Nach seiner aktiven Tätigkeit als Vorstandsmitglied der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) befaßte sich Freund von Knobloch intensiv mit Fragen der Geschichte des Zweiten Weltkriegs und seinen persönlichen Erlebnissen sowie mit der wechselvollen Geschichte seiner memelländischen Heimat. Er hatte eine besondere Begabung zu schreiben, so daß im Laufe der Zeit eine größere Anzahl von Ausarbeitungen entstand, die alle einen zeitgeschichtlichen Wert darstellen. Hans-Erhardt von Knobloch wurde kurz vor Kriegsbeginn eingezogen. Er kam nach Neuruppin zum Panzer-Regiment 6, das man das Pz. Rgt. „von 6“ nannte, in Anlehnung an das Potsdamer Infanterie-Regiment 9 „Graf 9“, da in beiden Verbänden viele Adlige zu finden waren. Er begann als einfacher Soldat, war dann stets bei der Panzertruppe im Panzer IV und Panther in West und Ost eingesetzt und von Beginn an in Russland dabei. Er überlebte alle Gefahren, wurde mehrmals abgeschossen und konnte, manchmal als einziger, ausbooten und dem Tod entgehen. Bei Kriegsende geriet er als Leutnant im Panzer-Regiment 39 in Westböhmen in amerikanische Gefangenschaft. Nach Wochen des Wartens wurde er mit all seinen Kameraden an die Sowjetarmee ausgeliefert. Auf dem Bahntransport nach Osten floh er in den Weiten Ungarns (nahe bei Szolnok östlich Budapest) nachts aus dem rollenden Zug, indem er Bodenbretter seines Waggons löste und sich zwischen die Gleise fallen ließ. Sich an den Sternen orientierend erreichte er etwa 35 km südlich Budapest (bei Szigetüjfalu) die Donau, überquerte sie mit Hilfe eines entdeckten Kahns und fand nach Nächten des Marschierens Anfang August 1945 Aufnahme bei Ungarndeutschen im Vertes- Gebirges (in Pusztavam etwa 60 km westlich von Budapest). Nach drei Monaten Landarbeit, Maschinenreparatur und bei guter Verpflegung, die ihn wieder zu Kräften brachte, setzte er seine Flucht fort. Bei Heiligenkreuz kam er gut über die ungarisch/österreichische Grenze. Die gut bewachte, wenige km weiter westliche Demarkationslinie zwischen der sowjetischen und britischen Besatzungszone (Niederösterreich/Steiermark) wäre ihm fast zum Verhängnis geworden. Eine russische Streife griff ihn auf und wollte ihn kurzerhand erschießen. Im letzten Augenblick erschien ein Offizier, der dies vereitelte und ihn einsperren ließ. In der folgenden Nacht konnte er jedoch fliehen und die Grenze über einen kleinen, zufällig unbewachten Steg über die Lafnitz überwinden. Der Übergang in die amerikanische Zone im Gebiet der Enns erforderte einen langen Fußmarsch über verschneite Almen, das Erreichen Bayerns die Flussdurchquerung der Saalach bei Marzoll nahe Salzburg. Schließlich erreicht er noch vor Jahresende 1945 Westberlin.Auch andere Erlebnisse während der Kriegszeit sind alles andere als unspektakulär. Im Spätherbst 1941 zählte er zu der Einheit, die am weitesten nach Osten vorgestoßen war. Östlich von Tula befand er sich bei Schnee und Kälte im Gebiet Michailowo mit seinem Panzer völlig allein mitten im Niemandsland auf dem Rückzug. Kein Baum, kein Strauch, kein Dorf, keine Menschenseele weit und breit. Da streikte der Motor. Alle Reparaturanstrengungen waren erfolglos. Nach Stunden rollte ebenfalls einsam und allein ein Militärfahrzeug auf sie zu. Ihr verwundeter Kommandeur war auf dem Weg nach Westen. „Wir werden Euern Standort melden, falls wir selbst durchkommen“, war der einzige Trost. Tage später wurden sie herausgeschleppt. Ein ähnliches Himmelfahrtskommando führte ihn mit seinem Panzer vom östlichsten Punkte der Kaukasusfront in Tschetschenien bis ans Kaspische Meer. Die Bahnlinie Baku-Stalingrad wurde unterbrochen. Beeindruckend schildert er den Abwehrkampf an der Ostgrenze Ostpreußens im Herbst 1944. Modernstes Material in Form vieler Panther-Kampfwagen stand der Panzer-Brigade 103 zur Verfügung. Dennoch waren sie stets in aussichtsloser zahlenmäßiger Unterlegenheit. Nur durch schnelles Handeln und kluges Reagieren konnten Katastrophen verhindert werden. Die ersten sowjetischen Gräuel auf deutschem Boden in Nemmersdorf erlebte er fast hautnah mit: In der Nacht vor dem Massaker nächtigte er in der Dorfgaststätte dieses Ortes, acht Tage später nach Zurückschlagen der Russen war er wieder dort und nahm detailliere Kenntnis von dem Verbrechen an der Zivilbevölkerung. In den letzten Kriegsmonaten war er in Oberschlesien/ Mähren eingesetzt, ständig im Wechsel von einem Einsatzort zum anderen, um Durchbrüche zu verhindern. Sie waren mit den wenigen einsatzfähigen Panzern die einzige Stütze der immer brüchiger werdenden Front. Das andere große Thema, dem er sich auf mehreren Reisen in seine Heimat widmete, war die Geschichte des Memellandes und im speziellen dessen östlichen Teil, seiner unmittelbaren Heimat. Eine größere Zahl von Broschüren war das Ergebnis dieser Recherchen. Einige dieser Ausarbeitungen finden sich heute in den dortigen Schulen, übersetzt von einer litauischen Lehrerin.

Eintrittsjahr: 1970

Prof. Dr. Müller war emeritierter Universitätsprofessor für Veterenärmedizin an der FU Berlin.

(AP)

Eintrittsjahr: 1936

Präsident Dieter Mindt sprach diesen Nachruf auf dem Meeting am 23. November 1992.

Am Mittwoch der letzten Woche ist unser Freund Walter Pabst verstorben. Er befand sich im 86. Lebensjahr – ein Grandseigneur der Romanistik, ordentlicher Professor für Romanistische Literaturwissenschaft an der Freien Universität Berlin seit 1958, Mitglied unseres Rotary Clubs seit 1962, Träger des Bundesverdienstkreuzes Erster Klasse, Commendatore nell' Ordine al Merito della Repubblica Italiana, Officier de l'Ordre des Palmes Académiques.

Wir trauern um einen Freund, der die Sprachen und Literaturen der Romania überblickte, dessen wissenschaftliche Interessen über spanische, italienische und französische Literatur noch hinausreichten und sich bis zur vergleichenden Literaturwissenschaft erstreckten. Seine Studenten profitierten von seinem reichen Wissen, das alle Literaturgattungen (Epik, Drama und Lyrik) umfaßte.
Er vereinte gedankliche Präzision mit differenzierten sprachlichen Formulierungen. Beides korrespondierte mit der Eleganz seines Vortragsstils und seiner Erscheinung. Den Club bereicherte Freund Pabst durch prägnante Einblicke in seine literarischen Arbeitsinteressen. Seine Berichte über die Lage der Universität machten deutlich, wie stark er während der Universitätsunruhen nach 1968 daran litt, daß Fragen der Geistesgeschichte und der Ästhetik in der damaligen Atmosphäre extremer Politisierung nicht das angemessene Gehör fanden.
In der letzten Zeit machten gesundheitliche Probleme es für ihn unmöglich, an unseren Zusammenkünften aktiv teilzunehmen. Er verfolgte dennoch das Clubleben mit großer Anteilnahme. In seinem letzten Schreiben an Präsident Thomas vom März dieses Jahres drückt Freund Pabst sogar die Hoffnung aus, nach den Operationen des letzten Jahres wieder gelegentlich im Club präsent sein zu können. Diese Hoffnung hat sich nicht mehr erfüllt.

Wir wollen unseren verstorbenen Freund in dankbarer Erinnerung behalten.

Eintrittsjahr: 1962

Präsident Manfred Rosenbach sprach diesen Nachruf auf dem Meeting am 2. Januar 1989.

Wir trauern um unseren Freund Hans-Jürgen Richter. Er ist am 21. Dezember 1988 seinem schweren Leiden erlegen und am 29. Dezember 1988 im Kreise seiner Angehörigen beigesetzt worden.

Unser Freund ist dem Club 1962 beigetreten, gehörte also zu dessen Gründergeneration. Er diente ihm viele Jahre lang als Mitglied des Vorstandes und war im rotarischen Jahr 1971/72 dessen Präsident.
Bauen und Aufbauen waren die zentralen Begriffe seines Berufslebens. Als Geschäftsführer und Gesellschafter der Firma Schäler-Bau verkörperte er den Typ des mittelständischen Unternehmers. Seine Firma hatte wesentlichen Anteil an dem Wiederaufbau und Neubau unserer Stadt.
Trotz aller Leistungen blieben ihm und seiner Firma Rückschläge, die durch Konzentration einerseits und Rückgang der Bautätigkeit andererseits bedingt waren, nicht erspart. Sein Optimismus und seine Tatkraft wurden davon nicht berührt. Bis zuletzt war er im Bauwesen in leitender Position tätig.

Wir alle haben seine herzliche Zuwendung, seine gewinnende Haltung und seine unmittelbare Freundschaft erlebt. Hans-Jürgen Richter hinterläßt eine Lücke, die sich nicht schließen wird. Wir werden ihm ein freundschaftliches Andenken bewahren.

Eintrittsjahr: 1962

Wir haben unseren verehrten und hoch angesehenen Freund in seinem 98. Lebensjahr verloren. 40 Jahre lang hat er sich unermüdlich um unseren Club verdient gemacht und Zeichen gesetzt als Präsident und in weiteren Funktionen, so dass wir ihn als PHF ehren konnten.

Er war im wahrsten Sinne überzeugt vom rotarischen Wertekanon und nahm jede Gelegenheit wahr, unsere gegenseitige Freundschaft zu pflegen und zu festigen, auch zum RC Berlin-Luftbrücke, dessen Gründungsbeauftragter und später Ehrenmitglied er war. Seine hochqualifizierte ärztliche und wissenschaftliche Arbeit als Professor und Chefarzt für Dermatologie verlieh ihm weithin besondere Achtung. Er stellte sich hohen ethischen Ansprüchen und strahlte seine Haltung in jede persönliche Begegnung aus. Daher trifft uns der Verlust unseres vorbildlichen Freundes besonders hart.

Wir behalten ihn dankbar in unseren Herzen und verneigen uns vor seiner Lebensleistung.

Rotary Club Berlin-Süd

Heinrich Teller (1910 – 2008)

Über einen Rotarier der ersten Stunde und einen besonders liebenswerten Menschen sollen Lebensdaten und wichtige Ereignisse in seinem Leben festgehalten werden. Bei Besuchen in seinem Alterssitz wurden sie notiert, bevor seine Erinnerung im Meer des Vergessens versank.

1. Persönliche Daten

Heinrich Teller wurde am 23. Juli 1910 in Niedersalzbrunn bei Waldenburg in Niederschlesien als Sohn eines Pfarrers geboren. Auch seine beiden Großväter waren Pastoren. Der Vater seiner Mutter, Pastor Kirchhofer, erreichte die Position eines Superintendenten in Görlitz, sein Portrait mit Namensschild hängt in der Peterskirche nahe der Neiße im rechten hinteren Seitenschiff. Es zeigt einen gut und würdig aussehenden älteren Herrn. Der Großvater Teller war Pastor in Königshain bei Görlitz und mit Kirchhofer befreundet.

Die Parochie Niedersalzbrunn unterstand Pastor Rheinländer. Gleichberechtigt neben ihm verwaltete Vater Teller die Gemeinden Seitendorf und Liebichau. Beide Pastoren wohnten in dem Pfarrhof Niedersalzbrunn, der heute noch vorhanden ist, aber unbewohnt scheint. In der Parterrewohnung ist Heinrich geboren worden. Die evangelische Kirche dagegen ist von den Polen abgerissen wurden. Die beiden Parochien gehörten zum Kirchenkreis Waldenburg unter Superintendent Horter, einem Freund des alten Teller, während Heinrich mit dem Sohn Horter befreundet war.

Heinrich legte zusammen mit seinem um ein Jahr älteren Bruder Ernst 1929 das Abitur in Waldenburg ab. Dann begann er sein Studium der Medizin in Kiel. Dort lebte sein Onkel Hans Kirchhofer, Oberbaurat der Stadt Kiel. In dieser Zeit widmete er sich schon dem Segelsport, der ihn bis ins höhere Alter nicht mehr los ließ. Im ersten Semester wohnte er bei seinem Onkel, im zweiten Semester bei seinem Professor. Danach wechselte er nach Breslau und wurde dort im Corps Silesia in der Heiliggeiststraße aktiv. In der Korporation lernte er seine spätere Frau Christel kennen. Nach dem Physikum ging er wieder nach Kiel – Christel wollte dahin – machte dort 1936 sein Staatsexamen und promovierte mit einem dermatologischen Thema bei Prof. Klingmüller.

Sein Bruder studierte in Berlin Tiermedizin, war Burschenschaftler und fand seine Anstellung als Leiter des Schlachthofes meiner Heimatstadt Landeshut. Er wurde eingezogen und ist auf dem Wege nach Stalingrad als Veterinär eines Artillerieregimentes gefallen.< /br> Vater Teller kam nach dem Tod seiner Frau als Vertriebener über Thüringen nach Berlin, wo sein Sohn Heinrich im Virchow-Krankenhaus arbeitete. Er brachte ihn bei einer Dame in der Otavistraße in Wedding unter und unterstützte ihn bis zu seinem Tod etwa 1955.

2. Besondere Ereignisse in seinem Leben Militärische Karriere

Nach Beendigung seines Studiums war es für Heinrich schwierig, eine passende Stellung zu bekommen. Er ging daher freiwillig zum Militär, um Militärarzt zu werden. Seine Ausbildung erhielt er in einem Infanterieregiment in Bayreuth in einer Kaserne im Zentrum der Stadt. Nach einem halben Jahr Grundausbildung als Offiziersanwärter begann dann die Sanitätslaufbahn. Er wohnte dabei in der Pottaschhütte im Südteil von Bayreuth.

Im Rahmen der 29. Infanterie-Division mot., Standort Kassel, nahm er als Bataillonsarzt im Pionier-Bataillon 92, Standort Hannnoversch-Münden, am Ostfeldzug teil. Der Vormarsch führte bis vor die Tore von Stalingrad (nach der Divisionsgeschichte: Don-Übergang bei Zimljanskaja, Kalmückensteppe). Dort an vorderster Front erkrankte er vor Weihnachten 1942 an Fleckfieber. Kurz vor der Einschließung Stalingrads wurde er per Bahn heraustransportiert, kam nach Stalino ins Kriegslazarett und weiter mit dem Lazarettzug über Breslau nach Hessen. Er wurde in die Heeres-Sanitätsinspektion, der höchsten militärärztlichen Dienststelle, nach Berlin versetzt. Sie war in der Bendlerstraße, gegenüber dem Bendlerblock an der Stelle des späteren Hauses 2 der Bewag (100 m vom Shellhaus entfernt) untergebracht. Seine Aufgabe war hauptsächlich, die alljährlich stattfindenden Kongresse für leitende Militärärzte vorbereiten zu helfen, insbesondere Hilfe bei der Erstellung der Vorträge zu leisten. Etwa 50 bis 60 Generalärzte von Korps, Armeen und Heeresgruppen wurden für eine Woche zusammengezogen, um auf den verschiedenen medizinischen Fachgebieten über Entwicklungen und neueste Erkenntnisse informiert zu werden. Diese Meetings fanden in der Ausbildungsstätte für Militärärzte in der Scharnhorststraße statt.

20. Juli 1944

Noch vor Sonnenuntergang des 20. Juli 1944 wurde er als Oberstabsarzt plötzlich aus seinem Büro in den Hof des Bendlerblocks gerufen. Dort waren gerade mehrere Offiziere erschossen worden, die Spitze des Umsturzversuches vom 20. Juli. Heinrich hatte die Aufgabe, als Arzt deren Tod festzustellen und schriftlich zu bestätigen. Nach dem Augenschein (Brustschüsse) hat er dies getan und unterschrieb damit die Totenscheine für Oberst Graf Stauffenberg und die anderen Mitakteure.

Verwundung an der Kreuzung Kurfürstendamm/ Uhlandstraße

Mit dem Generalarzt oder seinem Stellvertreter befand er sich Ende April 1945 auf der Fahrt nach Dahlem, um dort die Verfügbarkeit von Verbands- und anderem ärztlichem Material zu klären. Bei einsetzendem Artilleriefeuer und seinem Vorschlag, anzuhalten und Deckung zu suchen, befahl sein Chef „weiterfahren!“. Kaum befohlen schlug an der Kreuzung Uhlandstraße in unmittelbarer Nähe ein Geschoß ein und Granatsplitter verletzten Heinrich am Gesicht, so daß er erheblich blutete. Er wurde in einen Verbandsplatz am Bahnhof Zoo bzw. in den Flakbunker gebracht, danach direkt zu Sauerbruch in die Charite.

Kriegsende

Während die Sowjetarmee von der Moltkebrücke her den Reichstag erstürmte, kämpfte Heinrich in einem U-Bahnschacht nahe dem Reichstag um das Leben vieler Verwundeter, die dort operiert und versorgt wurden. Der Eingang zu dem Kellergebäude lag nahe der Schweizer Botschaft. Beim Sturm der Sowjetsoldaten in den Keller bestand für Heinrich höchste Lebensgefahr. Die Sowjetsoldaten wurden versöhnt, als sie feststellten, dass dort ohne Ansehen der Nationalität auch verwundeten Sowjetsoldaten Hilfe zuteil wurde.

Kurz danach wurde Heinrich in die Militärzentrale der Sowjetarmee nach Karlshorst gebracht und dort über die militärärztliche Organisation bei der Wehrmacht ausgefragt.

Hochzeit mit Christel

Im Mai 1945 heiratet Heinrich, zu dieser Zeit schon Assistenzarzt in der Dermatologie im Virchowkrankenhaus, seine Christel. Er fährt seine Braut mit seinem Fahrrad auf der Querstange zum Standesamt Mitte. Dort ist dies die erste Eheschließung nach Kriegsende.

Christel stammt aus Breslau-Scheidnig und hatte an der dortigen Universität Medizin studiert. In dieser Zeit lernte sie den späteren General Reinhard Gehlen, ebenfalls einen Schlesier, kennen. Während des Krieges arbeitete sie im Kinderkrankenhaus in Hamburg. Sie stand kurz vor einer Eheschließung mit Helmut Bars, einem Studienrat. Er war eingezogen und wurde gegen Ende des Krieges als Offizier in Norwegen bei einer Schießübung mit zwei anderen Offizieren irrtümlich erschossen, als man mit Infanteriewaffen in die falsche Richtung gezielt hatte. Das Aufgebot zur Eheschließung war schon bestellt.

Berufliche Karriere

Später machte Heinrich eine große Karriere als führender Dermatologe Berlins. Er wurde Leiter des Städtischen Krankenhauses Berlin-Britz und baute dort ein eigenes Haus für ein Dermatologisches Zentrum. 1952 habilitierte er und hatte eine apl. Professur an der FU Berlin inne. „Prof. Heinrich Teller widmete sich mit besonderer Hingabe dem Unterricht sowie der Weiter- und Fortbildung. Prof. Heinrich Tellers Vorlesungen waren immer dynamisch und lebendig, klar und systematisch aufgebaut und in ihrer Diktion vorbildlich“ heißt es zu seiner Hochschultätigkeit im Internet. Nach seinem Ausscheiden schuf man ein nach ihm benanntes Kolloquium als Forum des Gedankenaustauschs für dermatologische Fachärzte. Die Klinik für Dermatologie und Venerologie des Vivantes Klinikums Neukölln lud für den 21. November 2009 zur „8. Heinrich-Teller-Vorlesung“ nach Neukölln ein. Dem Referenten Prof. Tronnier, Hildesheim, wurde bei diesem Anlaß die „8. Vivantes-Heinrich-Teller-Urkunde“ überreicht.

Nach seiner aktiven Tätigkeit lebte Heinrich noch lange in seiner großen Wohnung in der Bayernallee, später zog er nach einer Zwischenstation im Malteserkrankenhaus an der Heerstraße in das Seniorenheim am Lietzensee. Er starb dort hoch betagt am 6. März 2008.

Leonhard Müller
(AP, PHF)

Eintrittsjahr: 1968

Hans-Michael Wiebe war Geschäftsführer der Hans Wiebe + Co. Textil GmbH in Berlin.

Eintrittsjahr: 1974

Am Karfreitag letzter Woche ist Prof. Hans Witzgall, unser Gründungsmitglied, im 92. Lebensjahr gestorben. Viele unserer Freunde haben noch mit ihm sprechen können, als er noch vor kurzer Zeit, nach langer Pause, noch einmal unser Meeting besuchte.

Bald nach Kriegsende kam er nach Berlin, als Schüler des in der Medizin hoch angesehenen Internisten Prof. Münk, dem damaligen Chefarzt des Martin Luther Krankenhauses. Dort wurde Hans Witzgall Oberarzt und später Nachfolger von Prof. Münk. Als ärztlicher Direktor hat er mit vielen unserer Freunde die Sorgen um ihre Gesundheit geteilt und ihnen in der Krankheit geholfen. Er öffnete – so sollte man es sagen – allen, die es brauchten, die Tür zum Martin Luther Krankenhaus, was ein solcher Berater und Helfer und ein solches Krankenhaus bedeuten können, weiß jeder, der den engagierten Arzt im Notfall in Anspruch nehmen musste und konnte.

Über seine medizinischen Leistungen und seine wissenschaftlichen Erfolge werden Fachleute kompetenter berichten können. Aber uns allen wird aus vielen Beratungen und Gesprächen immer in Erinnerung bleiben, wie sehr Hans Witzgall, im wahrsten Sinne des Wortes, dem Bild eines modernen Arztes entsprach, sowohl als Schulmediziner als auch als naturwissenschaftlicher Forscher und kenntnisreicher Begleiter der Medizin heutiger Jahre.

Einen breiten Raum in seinem Leben nahm die Liebe zur Musik ein. Selbst einfühlsamer Musiker pflegte er Hausmusik; groß waren Interesse und Engagement für Oper und Konzert. Schwerpunkt seines rotarischen Wirkens war die Gründungszeit unseres Clubs von nahezu einem halben Jahrhundert. Hans Witzgall, Vizepräsident im Gründungsjahr 1959/1960, gehörte zu den vier Gründern, die heute, drei Generationen später, den Berliner Freunden für ihren Beitrag zu Wiedereinrichtung Rotary in der Stadt zwischen Blockade und Mauerbau bekannt bleiben. Darüber hinaus bindet uns an den Berater und Helfer Hans Witzgall große und dankbare Erinnerung.

Dieter Thomas

Folgenden Nachruf hat Altpräsident Horst Bräutigam im Meeting am 31. März 2008 vorgetragen.

Am Karfreitag ist unser rotarischer Freund Professor Dr. med. Hans Witzgall in seinem 93. Lebensjahr verstorben. Er gehörte unserem Club als das letzte noch verbliebene Gründungsmitglied an. Es sind nur wenige Wochen her, dass er – nach längerer Abwesenheit – an einem mittäglichen Meeting teilnahm. Es war, wie wir heute wissen, gewissermaßen ein Abschiedsbesuch.

Hans Witzgall war nicht nur ein Mann der ersten Stunde in RC Berlin-Süd, er war auch ein Mann der ersten Stunde im Westberlin der Nachkriegszeit. Der Tagesspiegel hat in seiner Ausgabe vom letzten Sonnabend sehr anschaulich den Lebensweg unseres verstorbenen Freundes geschildert. Ich kann hier nur einige Tupfen setzen, die auch mit meiner persönlichen Erinnerung an ihn verbunden sind. Franke und Bayer von Geburt ‑ er hat die heimatliche Klangfarbe nie abgelegt ‑ war er seit 1946 Berlin mit Herz und Seele verbunden. Mit seiner über Jahrzehnte währenden Tätigkeit im Martin-Luther-Krankenhaus, dem er bald als ärztlicher Direktor vorstand, bekam er einen fast legendären Ruf als führender Internist in unserer Stadt. Er war in der Tat ein begnadeter Diagnostiker, der seinen Patienten die Sicherheit seines Urteils in einer Weise zu vermitteln wusste, dass sie sich geborgen fühlten. Ich habe es persönlich erfahren. Die medizinische Entwicklung begleitete er nicht nur als Hochschullehrer sondern auch als Forscher. Bis in die jüngste Zeit, so weiß der Rezensent des Tagesspiegels zu berichten, überraschte Hans Witzgall mit seinem fundierten Wissen über den neuesten Erkenntnisstand der inneren Medizin.

Hans Witzgall war aber nicht nur der Medizin und den Naturwissenschaften sondern auch den Musen zugetan. Er war ein leidenschaftlicher Opern‑ und Konzertbesucher; wenn er über gesundheitliche Malessen klagte, dann darüber, dass die Hörfähigkeit nachließ. Dies hinderte ihn allerdings nicht, mit Geige oder Bratsche in kleinem Kreis zu musizieren., und zwar auch noch in seinem letzten Lebensjahr. Nur wenige unter uns werden sich noch an die rotarischen Weihnachtsabende im Gehrhus erinnern, an denen Hans Witzgall im Trio oder auch Quartett den musikalischen Rahmen schuf. Das Sportgeschehen verfolgte er leidenschaftlich, er gestand mir, dass die Sportschau in der ARD für ihn die wichtigste Sendung sei. Dass er Sport auch aktiv ausübte, insbesondere im Tennis, verstand sich von selbst.
Es gehört zur Vielfalt des Lebensbildes unseres verstorbenen Freundes, dass er auch die leiblichen Genüsse keinesfalls verschmähte und sie mit einem hintergründigen Humor zu würzen wusste. Ich erinnere mich an ein Vierertreffen unserer Clubs, das mit einem Auftaktmittagessen in Florenz begann. Es wurde ‑ vor dem Hauptgang – Rotwein aufgefahren. Mein Nachbar Hans Witzgall riet mir, es ihm gleich zu tun, das heißt möglichst vor und nicht zum Essen zu trinken, weil die Nahrungsaufnahme den angenehmen Weinrausch nur hindere. Auch dem Tabakgenuss war Freund Witzgall nicht abhold. Ich weiß, dass er die Zigarre schätzte. Wenn wir uns bei den Mittagsmeetings sahen, rauchten wir nach dem Essen eine Mentholzigarette, was er mit dem Kommentar begleitete, „komisch, früher rauchten hier fast alle, jetzt sind wir beide fast die Einzigen“.

Es bleibt abschließend erwähnenswert, dass unser Freund Witzgall auch aktiv am hauptstädtischen Leben teilnahm und es förderte. Er war Mitglied des Aufsichtsrats des Zoologischen Gartens, des Fördervereins der Deutschen Oper, des Montagsclubs, dem schon Lessing angehörte und last but not least in seinem RC Süd, den er mit aus der Taufe gehoben hatte.

Hans Witzgall bleibt in unserer Erinnerung.
Ich bitte Sie, sich für eine kurze Gedenkminute von Ihren Plätzen zu erheben.

Eintrittsjahr: 1960

Dr. Dr. Herbert Brönner 8. März 1930 – 14. November 2010

Wir gedenken unseres Freundes Herbert Brönner, der am 14. November nach schwerer Krankheit verstorben ist.

Unserem Club gehörte er seit 1967 an. Herbert Brönner wurde am 8. März 1930 in Berlin geboren. Sein namensgleicher Vater war Mitbegründer des Berufsstands der Wirtschaftsprüfer im Jahre 1931; insoweit wurde ihm sein späterer beruflicher Werdegang gleichsam in die Wiege gelegt. Die Kindheit verbringt er im elterlichen Haus in der Schwendenerstraße in Berlin-Dahlem, das Ende des II. Weltkriegs erlebt er bei Freunden der Eltern untergebracht in Staßfurt bei Magdeburg. Seine Mutter stirbt früh, als er gerade 18 Jahre alt ist. Sein Studium der Betriebswirtschaftslehre beginnt er an der Humboldt-Universität, wechselt 1950 an die Technische Universität Berlin zusammen mit seinem akademischen Lehrer Prof. Dr. Konrad Mellerowicz, der infolge der politischen Zuspitzung von Ost- nach West-Berlin flieht. Mit 21 Jahren ist Herbert Brönner Diplom-Kaufmann, mit 22 Jahren Dr. rer. pol. und mit 26 Jahren Dr. iur.

Nach Eintritt in die väterliche Praxis und Absolvierung des Steuerberater- und Wirtschaftsprüferexamens in den 60er Jahren baut er den Ruf seiner Praxis weit über die Grenzen der geteilten Stadt Berlin hinaus aus. Nach der Wende wurde dann von ihm der Grundstein für die Entwicklung seiner Praxis zu einer der führenden Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaften in Deutschland gelegt.

Im Berufsstand der Wirtschaftsprüfer war er ein ganz besonders exponierter Berufsstandvertreter. Als Vorsitzender des Vorstands des Instituts der Wirtschaftsprüfer, Vorstandsmitglied der Wirtschaftsprüferkammer und Mitglied zahlreicher weiterer Gremien hatte er entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung des Berufsstands der Wirtschaftsprüfer von den 70er bis weit in die 90er Jahre genommen. Dafür wurde ihm 1985 das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse verliehen. Weiterhin war er u.a. im Präsidium des Bundesverbands der Freien Berufe, viele Jahre in der Vollversammlung und in Fachausschüssen der Industrie- und Handelskammer zu Berlin und Im Vorstand des Vereins für Kaufleute und Industrieller in Berlin. Als Mitglied in zahlreichen Beiräten, Aufsichtsräten und in Vorständen von zahlreichen kulturellen, sportlichen und kirchlichen Einrichtungen war sein fachlicher und menschlicher Rat sehr gefragt. Er konnte dabei nicht nur mit seiner fachlichen Exzellenz, sondern insbesondere mit seiner Vertrauen schaffenden Art Menschen zusammenführen und zum Ausgleich bringen.

Als Herbert Brönner 1967, also noch in den Anfangsjahren unseres Clubs, Rotarier wurde, war Horst Elfe sein Pate. Nach mehrjähriger Mitgliedschaft im Vorstand war er im rotarischen Jahr 1995/96 unser Präsident. In unserem Club gehörte zu denjenigen Mitgliedern, die auch trotz Erreichen der rechnerischen Präsenzbefreiung, regelmäßig zu den Meetings gekommen ist, um im Kreise seiner Freunde zu sein. Er war auch regelmäßiger Teilnehmer der Vierer-Treffen, genoss er dabei insbesondere die Pflege der rotarischen Idee im internationalen Umfeld. Für seine rotarischen Verdienste wurde er als Paul Harris Fellow ausgezeichnet.

Seinen 80. Geburtstag konnte er im März im Kreise seiner Familie und Freunde feiern, auch auf einer fachlicher Festveranstaltung Anfang Juni diesen Jahres zu seinem runden Geburtstag in Anwesenheit von Mandanten und Vertretern der Wirtschaft war er mit Freude dabei.

Er wird uns als liebenswerter und großherziger Freund fehlen.
(AP)

Eintrittsjahr: 1967

Nachruf auf Ruthard Dohse

Am 19. Oktober 2010 ist unser Freund Ruthard Dohse, gerade erst 75 Jahre alt, gestorben. 1972 wurde er auf Empfehlung des Freundes Franz-Dietrich von Ditfurth (Präsident 1975/76) in den Club aufgenommen. Er war ein überzeugter Rotarier und unserem Club enger verbunden, als es vielen von uns heute bewusst ist. Im Vorstand verantwortete er von 1975/76 bis 1978/79 den Internationalen Dienst, eine Kernaufgabe unseres Clubs. Nur wenige Eingeweihte wissen, dass er unsere sozialen Projekte immer wieder mit großzügigen Spenden wirkungsvoll unterstützt hat.

Wer war Ruthard Dohse? „Ein intensives, schaffensreiches, durch Höhen und Tiefen gezeichnetes Leben ist zu Ende gegangen.“ So würdigt ihn die Familie mit ihrer Anzeige in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Als er zu uns in den Club kam, war der Ingenieur und überzeugte Eisenbahner Geschäftsführer einer Berliner Gleisbaufirma. Die isolierte Lage der Inselstadt Berlin begrenzte deren Aktionsradius erheblich, ihre Zukunft schien unsicher. Ruthard Dohse entschloss sich deshalb Ende der siebziger Jahre, sich beruflich neu zu orientieren. Er wurde 1979 Geschäftsführer und später auch, wenn ich mich richtig erinnere, Inhaber der in Oberbayern ansässigen Firma Rudolf Ranft. Der Bahnfachmann stellte nun Spezialfußböden her, insbesondere Terrazzo-Böden. So musste er sich von Berlin trennen und lebte fortan in München.

Der Begriff »Fußboden« gibt nicht einmal annähernd eine Vorstellung von der Arbeit und Leistung dieser Firma. Vielleicht erinnert sich der eine oder andere aus unserem Kreise, dass wir vor einigen Jahren an einer Führung durch das Bundespräsidialamt teilnahmen. Freund Dohse hatte sie vermittelt und erwähnte beiläufig, seine Firma habe hier im Hause die Fußböden ausgeführt. In vielen modernen Kliniken und Krankenhäusern stammen die Böden von seiner Firma, weil sie den strengen Anforderungen an die Hygiene in besonderem Maße entsprachen. Im Martin-Gropius-Bau hat Freund Dohse die ursprünglichen Mosaikböden restauriert und die zerstörten Partien ergänzt. So haben seine Tatkraft und Kompetenz die Firma zu einem führenden Betrieb gemacht – auch über Deutschland hinaus. Dennoch liegt auf diesem Erfolg ein tragischer Schatten. Freund Dohse hat mir einmal, wehmütig lächelnd, gesagt, wenn er die politische Entwicklung geahnt hätte, wäre er in Berlin geblieben und hätte die Gleisbaufirma, deren Geschäftsführer er war, gekauft. Nach der Wende an der Rekonstruktion des Bahnzentrums Berlin mitzuwirken, wäre für den Bahnfachmann die Erfüllung eines Traumes gewesen.

Zum Club hat Freund Dohse immer Verbindung gehalten, und der Club hat ihm lange Jahre weiterhin Rückhalt in Rotary gewährt. Im Herbst 2001 hat er uns in generöser Form zum Münchner Oktoberfest eingeladen. Im Mai 2002 nahm er am Dreiertreffen in Weimar teil und wurde dort für seine Verdienste um unseren Club mit der Paul-Harris-Medaille ausgezeichnet. Inzwischen hat ihm der Rotary Club München-Mitte eine neue rotarische Heimat geboten.

Manfred Rosenbach

Eintrittsjahr: 1972

Erinnerung an unseren Freund Helmut Gansau

Liebe Freundinnen und Freunde,
oft sind es Betroffenheit und Betrübnis, die Anlass geben, innezuhalten und sich zu erinnern.

Wir mussten bestürzt Kenntnis nehmen, dass unser Freund Helmut Gansau vor wenigen Tagen, am 13. Juni 2006, verstorben ist. Sein langes Leiden hat er geduldig ertragen und dabei immer seine positive Einstellung bewahrt. Unsere Gedanken sind bei seiner Frau Iris und seinen Kindern. Am 30. Januar 1923 geboren, wurde er 1969 zusammen mit unserem Freund Finke unser Mitglied. Von Beruf Chemiker, leitete er bis zu seiner Pensionierung 1983 die Polizeitechnische Untersuchungsstelle beim Polizeipräsidenten in Berlin, Der Club verdankt dem begeisterten Rotarier vieles, unter anderem auch unsere unvergessene Clubsekretärin Frau Ursula Kaiser, den meisten unter uns noch als ein „Pfeiler und Merkmal" unseres Clubs in fester Erinnerung. Sie war Helmut Gansaus frühere Sekretärin. 1974 wurde er in den Vorstand berufen. Nach Clubdienst war er 1976/77 unser Präsident. Einer großen Zahl unserer Freunde ist er insbesondere als „Internationaler Dienst“ von 1980 – 1993 in bleibender, vorbildhafter Erinnerung. Er war Drehpunkt und Motor für die Begegnungen mit unseren Partnerclubs in Magenta, Paris und früher London – den sagenhaften früheren Vierertreffen. Die Chronik des Clubs schildert deren Entstehen und Entwicklung.

Helmut hat noch von der großen Beteiligung an unserer letzten Clubreise nach Sorrento und der bevorstehenden Partnerbeziehung zum RC Murcia Kenntnis genommen. Auf einem Vierertreffen in Magenta wurde er in Gegenwart der Freunde aus den Partnerclubs mit der Paul-Harris-Fellowship ausgezeichnet.

Manche Anekdote rankt sich noch um ihn. So wird er stets in unserer Erinnerung bleiben.

Klaus Otto Günther
(AP, PHF)

Eintrittsjahr: 1969

Am 3. März 2007 ist unser Freund Ludwig Jagla verstorben. 1984 von Freund Horst Elfe eingeführt, gehörte er dem Rotary Club Berlin-Süd 23 Jahre an. Dem Club stellte er seine Kompetenz als Banker im Amte des Schatzmeisters von 1986/87 bis 1988/89 hervorragend effektiv zur Verfügung. Doch sein Wirken für den Club war auf einer anderen Ebene in unvergleichlicher Weise bedeutsam.

Nach Jahren beruflicher Tätigkeit im internationalen Bankwesen leitete Ludwig Jagla die BHF Bank in Berlin. In dieser Position hatte er Verbindungen in alle Bereiche des politischen und gesellschaftlichen Lebens unserer Stadt. Das befähigte ihn dazu, in den Club eine Fülle von Anregungen einzubringen. Großzügiger Gastgeber, der er war, führte er in seinem Hause die Mitglieder unseres Clubs mit maßgeblichen Persönlichkeiten der Berliner Öffentlichkeit zusammen. Dieser Begriff mag phrasenhaft anmuten, doch ist er durchaus in seiner Grundbedeutung zu verstehen. So hat Ludwig Jagla 1985 den amerikanischen Stadtkommandanten Major General John H. Mitchell sowie 1988 dessen Nachfolger Major General Raymond E. Haddock dafür gewinnen können, die Ehrenmitgliedschaft unseres Clubs anzunehmen. Der Verfasser dieses Nachrufs hatte, seinerzeit Präsident unseres Clubs, die ehrenvolle Aufgabe, General Haddock die Rotary Nadel an den Uniformrock zu heften. 1988 wurden auch die englischen Stadtkommandanten Major General Patrick G. Brooking und 1990 Major General Robert S. J. Corbett sowie der 1993 der französische Stadtkommandant Brigadegeneral Jean Brullard unsere Ehrenmitglieder. Seit mehr als zwanzig Jahren ist uns staatliche Souveränität zur Selbstverständlichkeit geworden – da bedarf es einer gewissen gedanklichen Anstrengung, um sich die außerordentliche Leistung zu vergegenwärtigen, die darin bestand, den Inhabern der obersten Regierungsgewalt in unserer Stadt die Ziele von Rotary nahezubringen. Vor allem General Haddock hat an den Meetings des Clubs oft teilgenommen und ist seit seinem Ausscheiden aus dem Amte unser Ehrenmitglied auf Lebenszeit.

So intensiv die Anregungen auch waren, die der Club Ludwig Jagla verdankt, so unprätentiös war dennoch sein Verhalten. Am Clubleben hat er in späteren Jahren in einer so zurückhaltenden Weise teilgenommen, dass sein Rang den in jüngerer Zeit aufgenommenen Freunden kaum bewusst werden konnte. Zuletzt hat ihn ernster werdende Krankheit dazu gezwungen, sich völlig zurückzuziehen. Manch ein Freund wird ihn gar nicht mehr kennengelernt haben. Desto wichtiger ist es, seiner nunmehr endlich zu gedenken. Ludwig Jagla hat sich um den Rotary Club Berlin-Süd verdient gemacht.

Manfred Rosenbach

Eintrittsjahr: 1984

Wir trauern um unseren Freund Prof. Dr. Dieter Krause. Am 18. Oktober 2009 ist er im Martin-Luther-Krankenhaus gestorben. Mehr als vier Jahre nervender und quälender Krankheit lagen hinter ihm. Die Krankheit hat ihn auch daran gehindert, das rotarische Clubleben noch aktiv zu begleiten. Aus diesem Grund werden sich auch viele neu hinzugekommene Rotarier und Rotarierinnen nicht mehr an ihn erinnern. Doch wer ihn kennt weiß, dass er nie mit seinem Schicksal gehadert hat oder sich über sein Los beschwert hat. Er folgt damit seiner Frau Dr. Uta Krause, die am 26. Oktober 2008 verschieden ist.

Er gehörte dem Rotary Club Berlin-Süd seit dem Jahr 1980 an. In den rotarischen Jahren 1989/1990 und 1991/1992 zeichnete er für den Gemeindienst verantwortlich und war der Präsident unseres Clubs im rotarischen Jahr 1993/1994. Freund Krause ist am 23.05.1932 geboren und war geprägt von den schrecklichen Kriegserlebnissen in seiner Jugend wie Bombenangriffen und Flucht und den Schrecken der NS-Diktatur. Als Überlebender der Bombenangriffe auf Dresden in der Zeit vom 13. bis 15. Februar 1945, hat er die Schrecken des Krieges auch persönlich hautnah erlebt. Diese Erfahrungen haben ihn geprägt und sehr schnell den Wunsch wachsen lassen, als Arzt den Menschen zu helfen. Daneben war er auch stolz auf die Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland nach dem Krieg und war ein glühender Verfechter unserer Demokratie. Schon während seines Medizinstudiums war es für ihn klar, dass die Orthopädie seine Fachrichtung werden sollte. Im Jahr 1967 stand er dann als junger Oberarzt im Oskar-Helene-Heim vor der Entscheidung, seinem Chef, Lehrer und Förderer nach München zu folgen oder in Berlin zu bleiben. Ihm wurde damals die Leitung der neu zu gründenden Abteilung für physikalische Medizin am neu zu gründenden Klinikum Steglitz der Freien Universität Berlin angeboten. Er entschied sich bekanntermaßen für das Letztere und etablierte mit seinem Wirken in Berlin ein neues Fachgebiet, nämlich die Physikalische Therapie. Als Mensch gewinnend war es ihm wichtig dass Freundschaft, auch die rotarische, immer offen und konstruktiv gelebt wurde. Ich erinnere mich besonders an eine seiner Prinzipien:“ Es bedarf des Mutes, unpopuläre Wahrheiten auszusprechen und nicht zu unterdrücken. Übertriebene Hoffnungen zu dämpfen und nicht zu stimulieren und keine Versprechungen zu machen, die man hinterher nicht einhalten kann.“

Wir wollen unseren verstorbenen Freund in dankbarer Erinnerung behalten.

Eintrittsjahr: 1980

Präsident Manfred Rosenbach sprach diesen Nachruf 
auf dem Meeting am 14. November 1988.

Wir trauern um unseren Freund Dr. Lothar Münn. Am 4. November 1988 ist er seinem schweren Leiden erlegen. Lothar Münn gehörte unserem Club seit 1970 an. Seine Lebensleistung weist ihn als einen Rotarier aus, der den Idealen von Rotary in vorbildlicher Form gerecht geworden ist.

Der Rechtspflege unserer Stadt diente er in den Ämtern des Generalstaatsanwaltes bei dem Landgericht und des Amtsgerichtspräsidenten. Hier fühlte er sich nicht nur dem Buchstaben des Gesetzes, sondern darüber hinaus der Idee der Gerechtigkeit verpflichtet. Die Gerechtigkeit war der Mittelpunkt seines beruflichen Lebens.
Den Aufgaben des Gemeinwesens widmete er sich in zahlreichen Ehrenämtern; hervorzuheben ist sein Engagement für die Evangelische Kirche. Seine Tätigkeit galt dabei stets der Verständigung unter den Menschen; sie trug, auch über die Grenzen unserer Stadt und unseres Landes hinaus, zum inneren und äußeren Frieden der Menschen bei.
Im Club war Lothar Münn, in seiner völlig unpathetischen Haltung, vielen von dessen Mitgliedern durch herzliche Freundschaft verbunden. Als Programmdirektor hat er Jahre hindurch das Leben des Clubs maßgeblich beeinflußt. Die Vielfalt und Attraktivität der von ihm gestalteten Programme hat die Freunde immer wieder von neuem zusammengeführt und den Club auf scheinbar beiläufige Weise geprägt. Das ihm eigene Pflichtbewußtsein ließ ihn sein Amt bis weit hinein in die Zeit seines Leidens tatkräftig wahrnehmen. Sein Wirken ist mit der Verleihung der Paul Harris Fellowship gewürdigt worden. In allen seinen Tätigkeiten bewies Lothar Münn nicht nur Klugheit, sondern auch einen ausgeprägten Sinn für das rechte Maß. In der letzten Zeit seines Lebens stellte er sich der Krankheit und dem Wissen um das nahe Ende mit achtunggebietender Tapferkeit.

So verkörperte Lothar Münn in seinem Leben und seinem Sterben das Viergespann der Kardinaltugenden Gerechtigkeit, Klugheit, Maß, Tapferkeit. Der Club wird ihm ein ehrendes Gedenken bewahren.

Eintrittsjahr: 1970

Am 27. Dezember 2011 ist unser Freund Peter Kellerhoff verstorben. 1930 geboren, hätte er am 12. Januar sein 82. Lebensjahr vollenden können.

Vor 36 Jahren, im Jahre 1975, wurde Freund Kellerhoff in unseren Club aufgenommen, sein Pate war Hans Schaefers. Freunde, die bis in die Mitte der neunziger Jahre dem Club beitraten und seine aktive Zeit erlebten, wissen, wen wir in Peter Kellerhoff verloren haben. Doch viele unter uns werden ihn nur von fern kennen. Weil seine Gesundheit angegriffen war, konnte er zuletzt kaum noch an unseren Treffen teilnehmen. Wer ihm aber begegnete, erlebte einen überzeugenden Gesprächspartner und eindrucksvollen Grandseigneur.

Ich beginne meine Würdigung mit dieser knappen Aussage:

Peter Kellerhoff war eine Autorität. Er verkörperte den Inbegriff eines Rotariers.

In der Dresdner Bank Frankfurt in herausgehobener Leitungsfunktion tätig, war Peter Kellerhoff 1974 als Direktor an die Industriekreditbank (IKB) berufen worden und leitete deren Berliner Repräsentanz. Nach der Fusionierung der IKB mit der Deutschen Industriebank war er seit 1977 Vorstandsmitglied der „IKB - Deutsche Industriebank“. Seine Aufgaben brachten es mit sich, regelmäßig zwischen den Firmensitzen in Berlin und Düs- seldorf zu pendeln. Die Umsetzung des für die Berliner Wirtschaft so eminent wichtigen Berlinhilfegesetzes hat er konstruktiv begleitet. Als er seine Tätigkeit bei der IKB altersbedingt beendete hatte, stellte er sich dem Berliner Senat für zwei Jahre als Vorstandsmitglied der Wohnungsbaukreditanstalt (WBK) zur Verfügung.

Ungeachtet seiner hohen beruflichen Belastung hat sich Peter Kellerhoff im Vorstand des Clubs seit 1977 sechs volle Jahre engagiert, zunÄchst als Schatzmeister und im Internationalen Dienst, 1981/82 als Präsident. Seine Mitarbeiterin Frau Ewert konnte er dafür gewinnen, die Aufgaben des Clubsekretariats wahrzunehmen; sie hat sich ihnen viele Jahre lang umsichtig-souverän gewidmet. Als der Club das Hotel Gehrhus verlassen musste, ver- dankten wir es ihm, im Hotel Steigenberger einen neuen Ort für unsere Zusammenkünfte gefunden zu haben.

Allein diese Fakten sichern Peter Kellerhoff bleibende Erinnerung. Doch seine über rotarische Routine weit hinausgehende Leistung sollte erst noch kommen. Der 9. November 1989 war auch für uns Berliner Rotarier eine völlig neue Herausforderung. Wann, wenn nicht jetzt, wo, wenn nicht hier, gab es eine wichtigere und uns näher liegende Gelegenheit, „durch Pflege des guten Willens zur Verständigung und zum Frieden unter den Völkern“ – ich zitiere – beizutragen und damit das „Ziel von Rotary“ zu verwirklichen. So entschloss sich unser Club im August 1990, in Potsdam einen Rotary Club zu gründen. Präsident Waldemar Poreike bat Peter Kellerhoff, die Aufgabe des Gründungsbeauftragten zu übernehmen.

Inzwischen sind mehr als zwanzig Jahre vergangen, das damals Ungewöhnliche ist selbstverständlich geworden. Doch auch aus heutiger Sicht hätte kaum eine Aufgabe delikater und damit schwieriger sein können, als in Pots- dam, einer prominenten Stadt der DDR, einen Rotary Club zu gründen. Peter Kellerhoff hat sie meisterhaft gelöst – einfühlsam und urteilssicher, verständnisvoll und wahrhaftig. Geschont hat er sich nicht, und so musste er den 28. März 1992, Tag der Charterfeier im Schlosstheater des Neuen Palais, im Krankenhaus verbringen.

Als sich der Club, von Pastpräsident Dieter Thomas angeregt, zur Gründung eines Rotary Clubs in Branden- burg/Havel entschloss, war Gründungsbeauftragter wiederum Peter Kellerhoff. Von Pastpräsident Thomas und Präsident Dieter Mindt wirkungsvoll unterstützt, hat er auch diesen Club in die rotarische Gemeinschaft geführt und rotarische Prinzipien vermittelt, die noch heute nachwirken. Der Rotary Club Brandenburg/Havel hat diese Impulse aufgenommen. Seine herausragende Rolle unter den Clubs unseres Distrikts beruht auf diesen Grund- lagen.

Unser Club wie auch die Potsdamer und Brandenburger Freunde haben Peter Kellerhoffs Leistung gewürdigt. Am 27. Juni 1994 verlieh ihm unser Club die Paul-Harris-Fellowship, später ergänzt durch den Saphir. Beide Clubs zeichneten ihn mit der Ehrenmitgliedschaft aus. Ich zitiere aus der Ansprache des Präsidenten Dieter Krause:

„Peter Kellerhoff, Sie haben sich um unseren Club Berlin-Süd und um den rotarischen Gedanken verdient gemacht.“

Wir haben einen großen Rotarier verloren

Manfred Rosenbach

Geert Rücker 21.11.1927 ‑ 5.3.2006

Mann der Zeitgeschichte

Ein Herbstabend im Jahr 1991. Der 63‑jährige Medizinprofessor Dr. Geert Rücker auf dem Parkplatz des Hotels Bayerisches Haus in Potsdam. Im Kofferraum seines Wagens eine vollständige sowjetische Generalsuniform: Hose mit Tressen, Uniformjacke, Mütze und Degen. Wir blicken 46 Jahre zurück. Ein Frühjahrsmorgen im Jahr 1945. Der 17jährige Soldat Geert Rücker auf dem östlichen Elbufer. Im Begriff, den Fluss zu überqueren, um in britische Kriegsgefangenschaft zu gelangen. Unmittelbar vor seinem Ziel von sowjetischen Soldaten gefangen genommen. Der 17jährige Soldat hat einen langen Weg zurückgelegt. Vom Kampfeinsatz an der Oder mit wenigen Kameraden nachts nach Westen marschierend, tagsüber in Verstecken schlafend. Dann als sowjetischer Gefangener erneut von der Elbe zu Fuß nach Küstrin. Dort sahen die Sowjets keine Verwendung für den völlig Unterernährten. Er wurde nach Hause entlassen.

Den Sieg der Geschichte nach 1989 hat Geert Rücker auf seine Weise begangen: mit vielfältiger Unterstützung für russische Menschen. Wir erinnern uns an die umfangreichen Transporte an Kleidung, Nahrungsmitteln und Medikamenten nach Weißrussland, die Geert Rücker mit intensiver Unterstützung seiner Frau Tanja auf den Weg gebracht hat.

Arzt

Die zeitgeschichtliche Prägung charakterisiert auch seinen Werdegang in der Medizin. Geert Rücker gehört zur ersten Studentengeneration der im Dezember 1948 gegründeten Freien Universität Berlin. Zehn Jahre nach seiner Gefangennahme durch die Sowjets promoviert er in der Humanmedizin.
Internationalität war dem in Java Geborenen in die Wiege gelegt. In den USA informiert er sich über die neuesten Erkenntnisse der Chirurgie und den Einsatz der gerade entwickelten Herz‑Lungen‑Maschine. Es folgt eine glanzvolle berufliche Karriere: Chefarzt für Chirurgie am Martin‑Luther‑Krankenhaus. Zusammen mit seinen Kollegen Witzgall (Inneres) und Martius (Gynäkologie) macht Prof. Geert Rücker das Haus zu einem Spitzenplatz in Berlin und in Deutschland.
Er wird zum Pionier der Gefäßchirurgie. Aber er beschränkt sich nicht auf diese Spezialisierung, sondern bleibt ein Chirurg, der alle zentralen Bereiche seines Fachgebiets beherrscht. Darüber hinaus übernimmt er Verantwortung für die Leitung der Klinik. Bei seiner Verabschiedung in den Ruhestand ist er Ärztlicher Direktor des Martin‑Luther-Krankenhauses.
Ein Chirurg zeichnet sich durch medizinisches Wissen und die Beherrschung der Techniken seines Fachs aus. Geert Rücker ist mehr als ein kenntnisreicher Operateur. Er vermittelt seinen Patienten Vertrauen und Sicherheit. Sie fühlen sich bei ihm geborgen und zuverlässig aufgehoben. Und dies gilt nicht nur für seine Patienten, sondern ebenso für die Mitarbeiter seiner Klinik. Auch wer nach seiner aktiven Zeit im Martin‑Luther‑Krankenhaus seinen Namen nennt, hat es oft erlebt: es öffnen sich die Türen, eine aufmerksame Hilfsbereitschaft entsteht, wenn man den Namen des alten Chefs erwähnt.

Rotarier

Geert Rücker gehört unserem Club seit über 30 Jahren an. Auch bei Rotary wollte man ihn bald an der Spitze sehen. Er machte als klinischer Mediziner möglich, was viele mit geringerer Verantwortung heute für kaum machbar halten: das Amt des Präsidenten zu übernehmen. Vermutlich aus dieser Zeit stammt der bis heute bei uns gebräuchliche Begriff der Taumelparty für die letzte Vorstandssitzung des rotarischen Jahres. Dieser Begriff macht zweierlei deutlich: (1) die rotarische Bürokratie als Nebensache zu betrachten und (2) die Freundschaft, die gegenseitige Unterstützung und die Fähigkeit, Feste unbefangen feiern zu können als Kern des rotarischen Lebens zu sehen und dabei zugleich diejenigen im Auge zu behalten, die unsere Hilfe benötigen.
So führte Geert Rücker sein Präsidentenamt und so handelte er als rotarischer Freund: ein besonnener Ratgeber, ein uneigennütziger Unterstützer, stets präsent, wenn sein Einsatz gefragt war. Mit großzügiger Gastfreundschaft führte er in seinem Haus immer wieder Personen aus den unterschiedlichsten Lebensbereichen zusammen. Die dort empfangenen Anregungen wird niemand vergessen, der sie erleben durfte.

Vergangenheit und Zukunft

Wir haben Geert Rücker als Mann der Versöhnung mit der Zeitgeschichte erlebt, wir haben ihn gekannt als engagierten und fürsorglichen Arzt und als verständnisvollen, anregenden und großzügigen rotarischen Freund. Dieses Bild von Geert Rücker werden wir immer im Herzen tragen.

Dieter Mindt

Eintrittsjahr: 1975

PastGovDieterThomas Dieter Thomas
1924 - 2010

Die Familiengeschichte hat Dieter Thomas zu Rotary geführt. Sein rotarischer Pate ist Friedrich Georgi, Schwiegersohn von General Olbricht und mit diesem im Widerstand gegen Hitler verbunden. Der Vater von Dieter Thomas war General der Infanterie. Seine Zuständigkeit war die Wehrwirtschaft. General Georg Thomas wurde wie Olbricht nach dem 20. Juli 1944 verhaftet, hat aber wie durch ein Wunder überlebt.

Diese Herkunft hat viele Aspekte seines Lebens bestimmt. Seit vier Jahrzehnten ist Dieter Thomas im Vorstand der Stiftung 20. Juli 1944 tätig als einer der letzten, der die Kriegszeit, den Widerstand und die damals handelnden Menschen noch aus eigenem Erleben kannte. Diese Einblicke gab er an Bundeskanzler und Bundespräsidenten weiter.

Dieter Thomas trat in den 50er Jahren in die Berliner Industrie- und Handelskammer ein. Von 1969 bis zu seinem Ausscheiden im Jahr 1990 hat er die Verkehrsabteilung geleitet, eine besonders wichtige Position in der Kammer angesichts der gefährdeten und immer wieder behinderten Zugangswege zur damaligen eingeschlossenen Halbstadt West-Berlin. Eines der Kernstücke seiner Arbeit war das Verkehrsabkommen aus dem Jahr 1971, in dem erstmals eine vertragliche Regelung für den zivilen Verkehr auf den Zugangswegen zum westlichen Teil Berlins erreicht werden konnte.

Eine weitere herausragende Leistung in der Kammer war die Wiederbelebung eines Kreises von Nachwuchskräften der Wirtschaft. Sein besonderes Augenmerk galt der Internationalität. Im Jahre 1981 hat er in Berlin den Weltkongress der Wirtschaftsjunioren mit 5.000 Teilnehmern organisiert. Aus dem von ihm betreuten Kreis sind bemerkenswerte Karrieren hervorgegangen u. a. von Günter Rexrodt, Senator für Finanzen in Berlin, und später Bundesminister für Wirtschaft.

Seine Methode hat einer seiner Schützlinge mir persönlich erläutert: Nie hat er Erwartungen ausgesprochen. Die jungen Leute sollten zunächst eigenständig Konzepte entwickeln. Wenn seine Schützlinge allerdings in Bedrängnis kamen oder glaubten, einer Aufgabe nicht gewachsen zu sein, stand Dieter Thomas ohne Einschränkung zur Verfügung. In solchen Situationen nahm man bereitwillig und dankbar seinen Rat an, erkannte neue Wege und orientierte sich zunehmend selbständiger. Für die jungen Leute war er ein verständnisvoller Vater, der vieles sieht, nicht alles sagt und an den man sich auch mit persönlichen Anliegen vertrauensvoll wenden kann. Dieter Thomas hat die eigene Person immer hinter die Sache gestellt. Bescheiden in seinen Ansprüchen, einfühlsam gegenüber anderen, verband er Augenmaß und abgewogenes Urteil mit großer Konzilianz. In seinem gastfreundlichen Haus hat er Menschen mit unterschiedlichen Interessen und Hintergründen häufig zusammengeführt. Einen unschätzbaren Anteil am Gelingen dieser Gastfreundschaft hat seine Frau Maria, deren herausragende Kochkunst alle ihre Gäste immer wieder beeindruckt hat. Das Schicksal hat es gefügt, dass Maria in seiner letzten Stunde bei ihm sein konnte. So ist Dieter Thomas mit der Gewissheit aus diesem Leben gegangen, dass seine Frau auch im letzten Augenblick an seiner Seite stand. Ihr gilt unser besonderes Mitgefühl.

Dieter Thomas ist 1967, also noch im Gründungsjahrzehnt, in unseren Club aufgenommen worden. Schon während seiner aktiven Berufszeit hat er anspruchsvolle Vorstandsämter wahrgenommen:

  • Sekretär von 1970 bis 1972
    • Berufsdienst von 1972 bis 1975
    • Schatzmeister von 1989 bis 1991.
    Nach dem Eintritt in den beruflichen Ruhestand war er
    • Präsident im rotarischen Jahr 1991/1992
    • Governor im Distrikt 1940 im rotarischen Jahr 1996/1997.
  • Das sind insgesamt neun Jahre, mehr als ein Zehntel seines Lebens, im Dienste von Rotary.

    Die wiedergewonnene Einheit Deutschlands hat ihn zutiefst bewegt. Das hat er bei vielen Gelegenheiten zum Ausdruck gebracht. Neben Freund Kellerhoff war er mit intensivem Einsatz beteiligt an der Gründung der Rotary Clubs Potsdam und Brandenburg/Havel. In Kenntnis der hellen und finsteren Stunden der preußischen und deutschen Geschichte war sein Blick immer nach vorne gerichtet. In der einmaligen historischen Situation der Ausbreitung Rotarys im grenzüberschreitenden neu gebildeten Distrikt war er Governor des Distrikts. Das Verb to govern heißt ‚regieren’, aber genau das wollte er nicht. Stattdessen sah er in eigenen Worten seine Aufgabe darin, „zu moderieren, zu vermitteln, und nicht zuletzt auszugleichen“. Er wollte „Gesprächspartner, Helfer und Berater“ bei der geistigen und kulturellen Herstellung der Einheit sein. Und dies ist ihm vorzüglich gelungen.

    Über all dies hinaus hat Dieter Thomas den Club durch glanzvolle Vorträge bereichert. Mit seiner besonnenen Nachdenklichkeit hat er uns an seinen Erfahrungen teilnehmen lassen. Das Ethos, das ihn leitete, kam von innen. Es stützte sich auf die positiven Traditionen Preußens und Deutschlands. So war er für viele von uns die Brücke zur Geschichte unseres Landes.

    Was Dieter Thomas sagte, entsprach der Wahrheit. Fairness gegenüber allen seinen Gesprächspartnern zeichnete ihn aus. Sein gastfreundliches Haus hat Freundschaften gestiftet und guten Willen erweckt. Wo immer Dieter Thomas war, hat sein Wirken zum Wohl aller Beteiligten beigetragen. Einen besseren Rotarier findet man nicht.
    (AP, PHF)

    Funktion: Vorstand - Past Governor

    Mitglied seit: 1967

    Am 12. Juli 2010 ist Dr. Horst Witzel, 83 Jahre alt, gestorben. 1962 in den Club aufgenommen, hat er ihm volle 48 Jahre angehört. Unser Gründungsmitglied Hans Witzgall hatte den vielversprechenden Chemiker dem Club empfohlen. Erst 23 Jahre alt, hatte Horst Witzel im Hauptlabor der Schering AG zu arbeiten begonnen. Und wer wie er als Mann von Mitte dreißig zu deren stellvertretendem Vorstandsmitglied berufen wurde, dessen Persönlichkeit entsprach eindrucksvoll dem Profil, das Rotary von neuen Mitgliedern erwartet.

    Die fünfzigste Wiederkehr der Charterübergabe mit uns zusammen zu feiern war ihm nicht vergönnt. Unser Club kann auf eine lange Geschichte zurückblicken, aber eines sollte uns doch nachdenklich machen. Horst Witzel – das war in den letzten Jahren für den überwiegenden Teil der aktiven Mitglieder kaum mehr als ein Name im rotarischen Verzeichnis. Wer ihn kannte, hat seine Herzlichkeit immer seltener erlebt. Was ihn dazu veranlasste, sich mehr und mehr zurückzuziehen, haben wir nicht erfahren, denn in persönlichen Dingen war Horst Witzel schweigsam.

    „Was einer ist, was einer war, beim Abschied wird es offenbar“ – so heißt es im Volksmund. Wer war Horst Witzel? Wir alle wussten, dass er in der Schering AG für Forschung und Entwicklung verantwortlich war und schließlich 1986 zu deren Vorstandsvorsitzendem berufen wurde. Dass er daneben für die Region Nord- und Südamerika zuständig war, zwang ihn zu zahllosen Reisen und oft auch langer Abwesenheit von Berlin. Dennoch hat er sich in unserem Club von 1976 bis 1978 als Vorstandsmitglied für den Berufsdienst engagiert. Unvergessen seine aus Südamerika stammenden Präsente für den Festlichen Abend im Advent. Indiofrauen hatten kleine Zierkürbisse getrocknet und in künstlerisch geschmückte Behältnisse verwandelt. Besonders anrührend waren die von ihnen aus Salzbrotteig geformte Krippenfiguren.

    Immer waren wir uns dessen bewusst, dass Horst Witzel bedeutende und einflussreiche Funktionen innehatte, doch blieben diese gleichsam abstrakt, zumal er es unterließ, sein berufliches Aufgabengebiet im Freundeskreis hervorzuheben. Die meisten von uns werden die volle Dimension der wissenschaftlichen und zugleich unternehmerischen Leistung unseres Freundes erst begriffen haben, als die in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung veröffentlichten Nachrufe der Bayer Schering Pharma AG und des Verbandes der Chemischen Industrie zu lesen waren. Nicht genug, dass Horst Witzel maßgeblich zur führenden Position der Schering AG beigetragen und sich damit auch um Berlin verdient gemacht hat – von 1969 bis 1989 gehörte er zudem dem Präsidium des Verbands der Chemischen Industrie (VCI) an, ferner war er Mitglied verschiedener Aufsichtsräte u.a. der Commerzbank. Und als er 1989 in den Ruhestand ging, blieb er nicht nur dem Unternehmen als Mitglied des Aufsichtsrates verbunden, sondern engagierte sich auch im Verwaltungsrat mehrerer amerikanischer Biotechnologieunternehmen.

    Horst Witzels Wirken ist mit Recht öffentlich gewürdigt worden: Am 14. Juni 1994 wurde ihm das Bundesverdienstkreuz I. Klasse verliehen, und der seit 2007 jährlich an junge Wissenschaftler vergebene Forschungspreis der „Horst Witzel Foundation of Organic Chemistry“ ist nach ihm benannt.
    Horst Witzel war eine herausragende Unternehmerpersönlichkeit. Der Rotary Club Berlin-Süd hat einen bedeutenden Freund verloren.

    Manfred Rosenbach

    Eintrittsjahr: 1962

    Nachruf auf Freund Zepperitz

    Freund Rainer Zepperitz
    * 25.8.1930
    † 23.12.2009

    Mit Freund Rainer Zepperitz ist für uns ein rotarischer Freund, für mich mein Pate bei der Aufnahme in unseren Club, aber natürlich auch und vor allem ein prägendes Mitglied der Berliner Philharmoniker von uns gegangen. Rainer Zepperitz erlebte noch Wilhelm Furtwängler am Dirigentenpult und dann die gesamte Ära Karajan, welche er über viele Jahre als Orchestervorstand in manchmal sehr schwierigen Zeiten mitgestaltete.

    Sicherlich wird es nur ganz wenige Musiker geben, die so viele Stunden in verschiedenen Funktionen unserem Orchester dienten. Der vielbeschworene philharmonische Geist, also die bedingungslose Hingabe an die Musik, das füreinander Einstehen auf und auch hinter der Bühne, das Bewusstsein, dass ein besonderer Klangkörper besonderen Einsatz fordert - dies alles verkörperte Rainer Zepperitz in ebenso besonderer Weise.

    Da war seine Ernsthaftigkeit, seine Souveränität und freundliche Zuvorkommenheit, die ich erleben durfte, als ich - der noch recht unerfahrene Solocellist - ihn als in der Probenpause fragte, ob man nicht den einen oder anderen Bogenstrich gemeinsam mit den Cellisten ändern könne. Da war das gegenseitige musikalische Vertrauen, welches notwendig ist, weil insbesondere die Bassisten und Cellisten im Orchester oft aufeinander angewiesen sind.

    Da war auch seine Wertschätzung mir gegenüber, als er mich gleich nach bestandener Probezeit fragte, ob ich mir vorstellen könne, Rotarier zu werden. Das war ja die Zeit, wo er selbst aus dem Orchester in den eigentlich wohlverdienten Ruhestand treten musste, welcher, wie Sie wohl alle wissen, natürlich nur rententechnisch ein solcher war, denn Freund Zepperitz war auch nach dem Ausscheiden aus dem Orchester ständig auf Reisen. Sein Erfahrungsschatz blieb glücklicherweise nicht ungenutzt, er teilte ihn als Professor in Berlin und Madrid, aber auch z.B. in Japan auf Einladung großer Dirigenten wie Seji Ozawa mit jungen Musikern aus aller Welt.

    Liebe Freunde, diejenigen unter Ihnen, die seiner Trauerfeier beiwohnten, konnten hören, wie groß seine Wirkung auf seine Studenten gewesen sein muss, als diese - aus Madrid angereist - in ergreifender Weise musikalisch Abschied nahmen.

    Was uns sicherlich auch in bester Erinnerung bleiben wird, war sein feiner Humor, sein Sinn dafür, Alltägliches mit schalkhaft blitzenden Augen zu überhöhen, die Fähigkeit, allem etwas Positives abzugewinnen. Diese Lebenseinstellung verdankte Freund Rainer Zepperitz sicherlich auch seiner in jeder Hinsicht aussergewöhnlichen Kraft: Zunächst bedarf es, um ein solches Instrument zu spielen, ohnehin einer robusten Physis, welche sich übrigens auch in seinem raumgreifender Gang manifestierte, den man immer dann bewundern durfte, wenn man versuchte mit ihm Schritt zu halten.

    Aber er hatte ebenso diese innere Kraft, die man braucht, um gestalten, prägen zu können, auch und gerade dort, wo es um Dinge jenseits der Musik geht. Ein Beispiel hierfür: Der bekannte koreanische Komponist Isang Yun wurde 1967, mitten im kalten Krieg, aus Berlin vom südkoreanischen Geheimdienst nach Korea entführt, weil er sich für die Wiedervereinigung mit Nordkorea einsetzte und auch Kontakte zu Nordkorea unterhielt. Rainer Zepperitz war der erste, der eine Petition Berliner Musiker unterzeichnete, die Yuns Freilassung forderte, welche dann nach 2 Jahren Haft und Folter trotz lebenslänglicher Verurteilung auch erfolgte. Sich in diesen Zeiten für jemanden einzusetzen, der mit dem Kommunismus sympathisierte, war im damaligen politischen Umfeld für einen Repräsentanten einer deutschen Kulturinstitution sicherlich keine Selbstverständlichkeit und zeigt uns, dass Freund Zepperitz ein Mensch war, für welchen die Moral und das menschliche Maß über allen anderen Erwägungen standen. Sicherlich wurde ihm auch nicht zuletzt für diese moralische Autorität das Bundesverdienstkreuz verliehen.

    In diesem Sinne gestatten Sie zum Schluß ein Zitat. Es stammt von jenem Isang Yun, der 1995 in seiner zweiten Heimat Berlin verstarb und seine erste Heimat Südkorea nach der Haft nie mehr hatte wiedersehen können - ein Zitat, das wir auch unserem Freund Rainer Zepperitz widmen dürfen:

    „Ein Komponist kann die Welt, in der er lebt, nicht gleichgültig betrachten. Menschliche Leiden, Unterdrückung, Unrecht... all das kommt zu mir in meinen Gedanken. Wo es Schmerzen gibt, wo es Unrecht gibt, will ich mitsprechen durch meine Musik.“

    Ludwig Quandt, Jan 2010

    Eintrittsjahr: 1978